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Die Marvel Chronik - 70 Jahre Heldentum
Bewertung:
(4.9)
Von: Gordon Gurray
Alias: Talamar
Am: 21.11.2009
Autor:Tom DeFalco u.a.
Übersetzer:Timothy Stahl
Typ:Chronik, Lexikon / Comic
VerlagPanini Comics
ISBN/ASIN:978-3-86607-069-1
Inhalt:352 Seiten, Hardcover, übergroßes Sonderformat, US-Original: Marvel Chronicle
Preis:89,00 EUR
Sprache:Deutsch

Ohne Zweifel gehört der Marvel Konzern zu den größten und bekanntesten Comic-Verlagen der Welt und seit den 60er Jahren zur Spitze des Business. Doch auch vor den legendären Jahren, in denen Marvel Comics tatsächlich unter diesem Namen groß rauskamen, gab es den Verlag unter einem anderen Namen. Mittlerweile existiert er in der einen oder anderen Form seit über 70 Jahren. Genug Zeit also, um eine “Marvel Chronik“ zu füllen und sie in einer limitierten Fassung zu veröffentlichen.

 

Inhalt:

70 Jahre Marvel-Geschichte säuberlich sortiert und präsentiert nach Jahreszahlen. Jedes Jahr erhält dabei mindestens eine Doppelseite, spätere Jahre sogar mehrere Doppelseiten. Diese sind sauber und übersichtlich strukturiert. Auf der ersten Seite zu jedem Jahr findet sich immer die Jahreszahl mit einer halbseitigen Kolumne, die über die Ereignisse bezüglich des Marvel Verlages respektive seiner namentlich abweichenden Vorgänger in diesem Jahr berichtet. Nach einem einseitigen Vorwort von Stan Lee und einer Einführung von Tom DeFalco beginnt die Chronik mit dem für Marvel wichtigen Jahr 1939. In diesem Jahr publizierte der Verleger Martin Goodman unter dem Namen „Timely Comics“ sein erstes Comicheft, das interessanterweise schon den Namen „Marvel Comics #1“ trug, obwohl der Verlag tatsächlich erst 1963 wirklich so getauft wurde und sich bis dahin einiges getan hatte.

 

Wie dem auch sei, ich will hier auch nicht zu viel erzählen, denn schließlich will der geneigte Fan das alles sicherlich selbst nachlesen. Wie gesagt, zu Beginn einer jeden Jahres-Doppelseite gibt es einen Text, der die Situation und die Geschehnisse in diesem Jahr erläutert und dabei immer schön aus dem Nähkästchen plaudert. Der Rest der Doppelseite berichtet übersichtlich wahlweise über alle oder auch nur bestimmte Monate und geht nochmal weiter ins Detail. Aufgelockert wird das Ganze optisch mit tollen Illustrationen und Coverartworks, die aus der jeweiligen Zeit stammen und Originalartworks zeigen. Das ganze Layout wirkt so optisch ansprechend . Abgeschlossen wird jedes Jahr mit einer Kolumne, die die wichtigsten Weltereignisse in dem betreffenden Jahr schildert und Marvel in gesellschaftlichen Kontext stellt.

Zu Beginn eines jeden Jahrzehnts gibt es nochmal eine Doppelseite, die eine kurze Einleitung zu dieser Dekade beinhaltet und zwischendurch lockern immer wieder Doppelseiten das Layout auf, die mit seitenfüllenden Artworks aus allen Comicäras glänzen.

 

Richtig los geht es dann mit dem Jahr 1962. Von da an werden zumeist drei ganze Doppelseiten pro Jahr präsentiert und diese sind jeweils vollgestopft mit Informationen, Artworks, Kommentaren und Anekdoten. Gerade 1962 und 1963 sind besonders interessant, denn wie erwähnt hat sich der Verlagsname „Marvel Comics“ dann endlich durchgesetzt und Stan Lee führte Marvel zu Ruhm und Ehre. Zahlreiche bis heute bekannte und geliebte Superhelden fanden in dieser Zeit ihren Ursprung oder zumindest eine Wiedererweckung (wie beispielsweise die Human Torch, die erstmalig schon 1939 in Marvel #1 auftauchte) und das erste Marvel Universum nahm mehr und mehr Form an.

Immer wieder gibt es Querverweise auf die weltlichen Geschehnisse, von denen die Comic-Branche bisweilen sogar stark beeinflusst wurde. Immer wieder hatten die Verlage – Marvel eingeschlossen – mit Problemen zu kämpfen, die nicht immer in ihrer eigenen Verantwortung lagen. Die Informationen zeigen auch, dass Marvel unter nurleicht anderen Bedingungen vielleicht nie soweit gekommen wäre – ja nicht einmal bis 1963 und zu dem Verlagsnamen „Marvel Comics“. Sicherlich spielt der legendäre Stan Lee hier eine gewichtige Rolle und das wird auch in den Texten deutlich gemacht, aber letztendlich war Lee nicht der Verlagsinhaber, sondern nur der Chefredakteur.

 

Das Schöne an der “Marvel Chronik“ ist, dass man als Fan die Entwicklung von 1939 bis heute sehr gut verfolgen kann, denn gerade die zahlreichen Artworks zeigen schon, wie sich allein die Zeichenstile verändert haben. Dennoch sind die ansprechende geschriebenen Texte eigentlich das Herz dieser Chronik, denn diese verraten wirklich eine Menge interessanter Dinge, darunter mit Sicherheit einige Offenbarungen, die selbst die härtesten Fans noch nicht kennen. Bezüglich Lesemotivation sind Chroniken ja immer so eine Sache und oftmals scheitert man als Leser an der Trockenheit des Themas oder des Materials. Bei der “Marvel Chronik“ ist dem nicht so, denn die Texte sind locker geschrieben und auch nicht zu lang. Natürlich macht das Interesse am Thema selbst auch eine Menge der Motivation aus. Aber dennoch ist die “Marvel Chronik“ einfach ein Wälzer, der seine Leser in den Bann zu ziehen weiß. Mehr als einmal ertappt man sich schon während der ersten Seiten beim Schmunzeln über die eine oder andere Anekdote und ebenso oft denkt man sich „Aha“, das ist interessant und das war mir nicht bekannt.

 

Abgeschlossen wird das 350 Seiten starke Hardcover mit einem Nachwort des derzeitigen Chefredakteurs Joe Quesada und einem umfangreichen Index.

 

Qualität, Ausstattung & Übersetzung

Die Qualität des mächtigen Hardcovers ist über alle Zweifel erhaben. Die Bindung ist erstklassig und auch Papier und Druck überzeugen auf ganzer Linie. Einige großformatige Prints wirken etwas grob und pixelig, aber das liegt an der Natur der Sache, denn Panels kann man nun mal nicht immer auf eine beliebige Größe ziehen, vor allem nicht, wenn sie schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wie auch immer, die Produktionsqualität bewegt sich auf höchst professionellem Niveau und lässt keine Wünsche offen. Aber von Panini ist man dahingehend eigentlich sowieso nichts anders gewohnt.

Die Übersetzung erscheint gut gelungen, denn die Texte lassen sich allesamt sehr flüssig lesen. Fehler sind kaum aufgefallen und wenn, dann störten sie den Lesefluss keineswegs.

Das Hardcover hat ein übergroßes Sonderformat und umfasst 352 Seiten.

 

Fazit:

Wow, ein absoluter Kracher! Die “Marvel Chronik“ haut jeden Fan von Spiderman, X-Men und Co. mit absoluter Sicherheit vom Hocker. Die Informationen von ganzen sieben Dekaden Comickunst aus dem legendären Verlagshaus sind unheimlich gut recherchiert und detailliert dargestellt. Dabei werden vor allem die wichtigsten Ereignisse behandelt, aber immer wieder auch mit kleinen Anekdoten aufgelockert. Die einzelnen Jahre werden immer in ihrer Gesamtheit und dann in einzelnen Monaten beleuchtet. Abschließend gibt es noch eine Übersicht der wichtigsten Weltereignisse des Jahres. Aufgelockert wird das Ganze durch ein ansprechendes und dynamisch wirkendes Layout, aber vor allem durch die Artworks, die es zu Hunderten gibt: mal klein, mal seitenfüllend präsentiert. .

Die “Marvel Chronik“ ist ohne Zweifel eine absolute überzeugende Enzyklopädie in Sachen „Marvel Comics”. Jeder echte Marvel-Fan kommt eigentlich nicht dran vorbei und sollte einen sehr genauen Blick riskieren, auch wenn der Preis von 89 Euro nicht ohne ist. Aber Weihnachten steht ja vor der Tür. Nur nicht zu lange warten, denn es gibt nur 999 Exemplare (mit Echtheitszertifikat!)!