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Preacher 4 - Für ein paar Leichen mehr
Bewertung:
(4.0)
Von: Gordon Gurray
Alias: Talamar
Am: 20.11.2008
Autor:Garth Ennis, Steve Pugh, Carlos Ezquerra, Richard Case
Übersetzer:Fred Fliege & The Wild Bunch
Typ:Comic / Graphic Novel
Setting:Preacher
VerlagPanini Comics
ISBN/ASIN:978-3-86607-629-7
Inhalt:244 Seiten, Hardcover, US-Comicformat
Preis:29,95 €
Sprache:Deutsch

Für ein paar Leichen mehr...

Der vierte Band der Preacher-Reihe ist der erste Band, der mir in die Hände gefallen ist. Dabei wird - wie ich nach kurzen Recherchen herausgefunden habe - in diesem Band nicht der eigentlich Handlungsstrang um Jesse Custer weiter verfolgt, sondern es werden drei abgeschlossene Geschichten präsentiert, deren Hauptdarsteller Custer zuvor über den Weg gelaufen sind.

 

Inhalt:

Der Heilige der Killer

Nachdem er lange Jahre im Krieg gekämpft hat, hat sich der Mann ohne Namen zur Ruhe gesetzt, geheiratet und eine Tochter bekommen. Doch beide sterben am Fieber, da er die Medizin nicht rechtzeitig besorgen konnte. Eine mordlüsterne Bande hatte ihn aufgehalten.

Natürlich will er Rache und jagt die Mörder, tötet dabei zum ersten Mal einen Unschuldigen und stirbt bei seinem Blutbad selbst. Er kommt in die Hölle - doch selbst die heißesten Höllenfeuer können den Mann ohne Namen nicht strafen. Also bietet der Teufel selbst ihm einen Deal an. Er soll als Sammler der Seelen von gewaltsam Getöteten über die Erde streifen. Ausgestattet mit zwei Walker-Colts kehrt der „Heilige der Killer“ aus der Hölle zurück, um seinem neuen Job nachzugehen, doch nicht, bevor er seine Rache vollendet hat…

 

Denn er wusste nicht, was er tat…

Root ist ein Verlierer. Er wird ständig von seinem Vater, dem Sheriff, geprügelt, seine Mutter ist Alkoholikerin, in der Schule bekommt er ständig ebenfalls auf die Fresse. Pube ist sein einziger Freund, aber ebenfalls ein Verlierertyp. Zusammen beten sie die Grunge-Band „Nirvana“ an, das einzige, was ihr tristes Leben aufhellt. Doch als sich der Frontmann der Band, Curt Cobain mit einer Schrotflinte selbst tötet, geht auch für die beiden Loser die Welt endgültig unter. Sie wollen es ihrem Idol gleichtun, doch nur bei Pube klappt das wirklich…

 

Good Old Boys

T.C. und Jody sind Brüder und echte Psychopathen. T.C. treibt es so ziemlich mit allem, was er vor seinen Schwanz bekommt, egal ob tot oder lebendig, und Jody bessert das Taschengeld mit brutalsten Zweikämpfen auf. Zufällig retten sie die schöne Tommi, den Polizisten Cal Hicks und seinen Hund vor den Handlangern eines fiesen Gangsterbosses namens Saddam Hoppers. Dieser will ein gestohlenes Band wiederhaben, das Tommi angeblich hat. T.C. und Jody helfen den beiden auch gegen eine zweite Welle der Mörder, allerdings um Tommi und ihrer großen Brüste willen und nicht wegen Cal…

 

Schreibstil & Artwork:

Zwar hat der üppige Comic nicht viel mit der eigentlichen Handlung von „Preacher“ zu tun, aber dennoch sind die drei Geschichten abgefahren und originell - und das obwohl es nur um Personen geht, die dem eigentlichen Protagonisten der Preacher-Reihe - Custer - über den Weg gelaufen sind oder werden.

Die Geschichten sind spannend und teilweise schon als ein wenig krank zu bezeichnen, aber Garth Ennis ist für solche makaber-schwarzen Stories durchaus bekannt. Der Autor scheut sich auch nicht davor, heikle Themen anzureißen und gibt bitterböse Einblicke in die Schattenseiten der Kultur des „Home of the braves“. Dabei ist Ennis Stil zum Großteil politisch absolut unkorrekt und zerstört das glorreiche Antlitz der amerikanischen Gesellschaft. Er demontiert mit den vorliegenden Geschichten den amerikanischen Western-Mythos, zieht über die Grunge-Generation her und zeigt mit den Old Boys zwei hirnkranke Südstaatler, bei denen es nur um Familie und das Motto, nur „die Starken überleben“ geht.

Zeichnerisch sind insgesamt drei Zeichner beteiligt, die zwar alle ihren eigenen Stil haben, die aber recht nah beieinander liegen, so dass das Werk beständig wirkt. Natürlich wird hier auch nicht auf die Darstellung von Gewalt verzichtet. Außerdem erscheint es bei so einem Erwachsenen-Comic und solchen Stories durchaus passend. In der Gesamtheit gesehen sind die Artworks als ausdrucksstark zu bezeichnen. Dabei werden auch die Protagonisten nicht geschönt. Die Kolorierung erscheint passend und sind extra etwas pastelliger gewählt. Ausnahme hier ist die dritte Story, die mit eher kräftigen Farben glänzt.

 

Qualität & Übersetzung:

Die Texte sind flüssig zu lesen, was von einer guten Übersetzung zeugt. Der Band kommt in einem US-Format- Hardcover, was bei Panini eher unüblich ist. Dadurch wirkt der Comic edel und robust. Die Qualität von Druck und Bindung sind hervorragend.

 

Fazit:

„Preacher“ ist eine hochgelobte und sehr erfolgreiche Serie - und das ist sie mit Sicherheit nicht zu Unrecht. Im vorliegenden Band geht es aber nicht mit der eigentlichen Handlung von Preacher weiter - in der Tat kommt Jesse Custer nicht mal in einer Nebenrolle vor - sondern es werden drei Geschichten erzählt, deren Hauptdarstelle die Wege von Custer einst gekreuzt haben oder dies noch tun. Dabei sind die drei Geschichten schön abwechslungsreich, aber allesamt auch abgefahren und spannend. Man erkennt den düsteren Garth Ennis Stil sehr schnell, denn die Stories sind durch und durch rabenschwarz.

Zeichnerisch wird dem Leser eine klassische amerikanische Comic-Optik geboten, die sich sehr authentisch präsentiert.

Leider kann ich nicht sagen, wie gut die Kurzgeschichten in die eigentliche Reihe passen, da ich die vorigen Bände (noch) nicht kenne. Für sich gesehen sind die gebotenen Stories nicht nur auf ihre Art ein wenig krank, sondern zeigen auch echte Klasse. Fans von abgefahrenen Comics werden diesen Comic lieben. Ich denke auch, dass Fans der Preacher Reihe hier bedenkenlos zugreifen können. Das zumindest habe ich bei Recherchen im Internet als Tenor aufgenommen.