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Northlanders 3 - Blutiger Schnee
Bewertung:
(3.2)
Von: Jörg Deutesfeld
Alias: Debaser
Am: 23.09.2010
Autor:Brian Wood (Autor), Dean Ormston, Vasilis Lolos, Danijel Zezelj und Davide Gianfelice (Zeichner)
Übersetzer:Gerlinde Althoff
Typ:Comic / Graphic Novel
Setting:800 n.Chr. - Wikinger
VerlagPanini Comics
ISBN/ASIN:978-3-86607-929-8
Inhalt:148 Seiten, SC mit Faltcover
Preis:16,95 EUR
Sprache:Deutsch

Inhalt:

Der dritte Band der postmodernen Wikingersaga von Autor Brian Wood versammelt eine Reihe von Kurzgeschichten, in denen recht abwechselnde Akteure im Mittelpunkt stehen und bei deren Entstehung auch unterschiedliche Künstler mitgearbeitet haben:

 

Lindisfarne (Brian Wood & Dean Ormston)

Man schreibt das Jahr 793: In der Nähe des Klosters Lindisfarne wächst der Junge Edwin gemeinsam mit seinem Bruder Cerdic unter der Obhut seines griesgrämigen Vaters auf, der die beiden Kinder nach dem Tod seiner Frau alleine aufziehen muss. Doch der Vater bevorzugt den älteren Cerdic – vielleicht auch, weil die Mutter von Edwin bei Edwins Geburt starb?

Sein Vater ist nach dem Tod seiner Frau zum Christentum übergetreten und hat den alten Göttern abgeschworen. Seinen strengen, neuen Glauben versucht er auch seinen Kindern zu vermitteln, aber Edwin besinnt sich auf seine eigenen Wurzeln und findet Trost und Zuspruch in der für ihn viel näher stehenden Götterwelt des Nordens. Und tatsächlich, als hätten die Götter seine Gebete erhört, landen eines Tages Wikinger an der stürmischen Küste und stoßen auf Edwin. Die Wikinger suchen nach dem Kloster und unter dem Versprechen, ihn mit sich zu nehmen, zeigt ihnen Edwin den Weg...

 

Die Kunst des Einzelkampfes (Brian Wood & Vasilis Lolos)

Seit sechs Generationen besteht eine Fehde zwischen zwei Familien. Um diese ein für alle mal zu beenden, haben sich die Kontrahenten zu einem Zweikampf auf Leben und Tod ihrer beiden besten Krieger entschlossen: Snorri „der Schwarze“ und Egil Sleggja („Egil der Vorschlaghammer“) sollen am Strand in einem abgesteckten Bereich gegeneinander antreten. Doch was auf den ersten Blick als ein mit aller Härte und Brutalität geführter Kampf scheint, verbirgt hinter seiner Fassade wesentlich mehr und so erhält der Leser nicht nur tiefe Einblicke in die Kunst des Kampfes der Nordmänner, sondern auch in die Denkweise der Krieger.

 

Die Schildjungfern (Brian Wood & Danijel Zezelj)

Im Jahre 868 liefern sich Nordmänner und Sachsen nördlich des Humber erbitterte Kämpfe um die fruchtbaren Gebiete in Dänisch Mercienm,. Bei einem Angriff der Sachsen wird fast ein komplettes Dorf dem Erdboden gleichgemacht.Nur drei Frauen gelingt die Flucht an die Küste, wo sich eine alte und halbverfallene römische Befestigung befindet, in der sie sich verstecken.

Die Sachsen verfolgen die drei Frauen, doch die Gezeiten halten sie von einem größeren Angriff ab und so heißt es dann für beide Seiten abwarten. Jedoch sind die Frauen alles andere als wehrlos und wissen ihr Leben teuer zu verkaufen, was auch die angreifenden Sachsen zu spüren bekommen.

 

Sven, der Unsterbliche (Brian Wood & Davide Gianfelice)

In dieser Geschichte gibt es ein Wiedersehen mit Sven, der dem Leser als Protagonist sicher noch aus Band 1 der „Northlanders“-Reihe vertraut sein dürfte. Mittlerweile sind viele Jahre vergangen und der ehemalige Abenteurer und Kämpfer Sven hat sich auf einer abgelegenen, kleinen Insel mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zur Ruhe gesetzt. Es ist sein legendärer Ruf als Kämpfer, der einige junge Krieger dazu animiert, sich auf den Weg zur Insel zu machen und Sven zu töten. Ihr etwas naives Verständnis von Ruhm, falls es ihnen gelingen sollte, Sven zu besiegen, führt sie geradewegs in den Untergang. Den Sven ist keineswegs zum wehrlosen, alten Mann geworden. Nur ist er nicht mehr für sich alleine verantwortlich, sondern auch für seine Frau und seine Kinder und so nimmt er gegen seinen Willen den Kampf mit den ungebetenen Gästen auf sich.

 

Schreibstil & Artwork:

Der Autor Brian Wood wurde 1972 in Essex Junction, Vermont (USA) geboren und lebt seit 1991 in New York City, wo er 1997 an der „Parsons School of Design“ seinen Bachelor in Illustrationen machte. Seine Abschlussarbeit, die anti-utopistische SiFi-Miniserie „Channel Zero“ wurde im gleichen Jahr vom Image-Verlag veröffentlicht. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich bis 2003 bei der Spiele-Schmiede „Rockstar Games“, wo er unter anderem an der Entwicklung von Spielen wie „Grand Theft Auto“, „Max Payne“ und „Manhunt“ beteiligt war.

Parallel dazu spielte sich seine Karriere als Comic-Autor (und Zeichner) eher im Independent-Bereich ab. So entstanden für „AIT“ und „Oni“ mehrere Mini-Serien, darunter auch die erfolgreiche Reihe „Demo“. Im Jahr 2003 begann seine Zusammenarbeit mit DC/Vertigo, bei denen er sich vornehmlich als Autor betätigte. Nach dem von Mangas inspirierten „Fight for Tomorrow“ folgte 2005 „DMZ“, sein bisher kommerziell größter Erfolg.

 

Die Vorliebe von Brian Wood für atmosphärisch dichte aber sehr bodenständige Geschichten lässt sich, nach den beiden ersten Bänden von „Northlanders“, nicht leugnen, da zentrale Themen wie Krieg, Gewalt, Verrat und Ehre gleichsam ein Leitmotiv sind, ohne dabei plakativ zu wirken. Solche Themen bestimmen auch die vier Geschichten in diesem Band, wobei es Wood in diesen kurzen Episoden sehr gut gelingt auch einige andere, ausgefallene Facetten darzustellen, die es unter Umständen nicht in ein eigenes Heft geschafft hätten. Dabei zeigt er sich experimentierfreudig und präsentiert – wenn auch vielleicht nicht immer historisch korrekt – solide Unterhaltung, die vor dem Hintergrund einer harschen und unbarmherzigen Zeit in Nordeuropa angesiedelt ist.

 

Dean Ormston stammt aus Yorkshire in England und studierte in den 80ern Kunst und Illustration an der Universität in Leeds. Die folgenden Jahre verbrachte er seine Zeit damit, in verschiedenen Bands Schlagzeug zu spielen und in einem Comicladen zu arbeiten. In den 90ern fing er an vor allem für das Magazin „2000 AD“ zu arbeiten. Er war außerdem beteiligt an Serien wie „Predator“ für den Verlag Dark Horse oder den „Books of Magic“ vom Autor Si Spencer. Am bekanntesten ist seine Mitarbeit an „Lucifer“ von Mike Carey, „Sandman: Die Gütigen“ mit Neil Gaiman und „The Girl who would be death“ von Caitlin R. Kiernan. Ormston lebt heute im Norden Englands.

 

Vasilis Lolos stammt aus Athen in Griechenland und seine Karriere als Zeichner begann, nachdem er den Comic-Wettbewerb der Zeitschrift „9 Magazin“ gewonnen hatte. Er veröffentlichte eine ganze Reihe von Kurzgeschichten und Serien, unter anderem „Mick Ratt“, die Geschichte des tot geborenen Babys von Minnie Maus. Seine erste Graphic Novel heißt „Genitria“ und handelt von einem Soldaten im ersten Weltkrieg. Anstatt seine Arbeiten ins Englische zu übersetzen, beschloss er einfach, neue Arbeiten anzufertigen. So war er beteiligt an „The Pirates of Coney Island“ (Image Comics), „Spider-Man Family 2” (Marvel), “24Seven” (Image Comics) und “Wolverine Firebreak” (Marvel). Vasilis Lolos pendelt heute zwischen den USA und Griechenland.

 

Danijel Zezelj ist Grafiker und Illustrator so wie Autor von über zwanzig Graphic Novels. Seine Comics und Illustrationen erscheinen in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien in vielen Ländern Europas, Südafrika und den USA, unter anderem bei DC Comics/Vertigo und Marvel, in der New York Times Book Review, im Harper´s Magazine, dem San Francisco Guardian, Washington Chronicle und vielen anderen. Außerdem arbeitet er, zusammen mit der Musikerin Jessica Lurie, an einer Reihe von Multimedia Performances, die bereits in den USA, Italien und Kroatien zu sehen waren. Danijel Zezelj gründete in Zagreb außerdem das Verlagshaus und Grafikstudio Petikat. Er lebt und arbeitet heute in Brooklyn, New York.

 

Der in unseren Breiten noch nicht sonderlich bekannte italienische Zeichner Davide Gianfelice wurde 1977 in Mailand geboren. Er studierte Kunst und machte einen Abschluss an der „Scuolo del fumetto“ (Comic-Schule) in Mailand. Seine erste große Arbeit war „Armadel“, die gemeinsam mit Luca Enoch und dem Studio Settemondi entstand. Anschließend fertigte er eine Episode für die populäre s/w-Serie „John Doe (Band 11, Eura Editoriale), die Lorenzo Bartoli und Roberto Recchioni, den Erfindern der Story, so gut gefiel, dass er in Zukunft weitere Storys für sie gestalten wird. 2007 zeichnete er auch eine Episode für die Serie „Dylan Dog“. Gianfelice ist ein weiterer Künstler aus der Schmiede von Euro Editoriale, der den Weg über den Atlantik fand, so wie vor ihm Riccardo Burchielli (DMZ), Cristiano Cucina (Hellblazer) und Werther Dell´Edera (Loveless, Punisher War Journal).

 

Vier Geschichten vom gleichen Autor, aber vier unterschiedliche Zeichner. Auch wenn es in der Qualität manch starken Kontrast gibt, so verstehen es doch alle Zeichner, die Atmosphäre von „Northlanders“ recht gut einzufangen, die von der ziemlich dunklen und erdverbundenen Kolorierung von Dave McCaig verstärkt wird.

Die großen Unterschiede bestehen aber in der zeichnerischen Ausführung. Hier trifft man auf den stilsicheren Gianfelice, der es hervorragend versteht die Nordmänner in Szene zu setzen und dessen Figuren nicht nur durch ihren Detailreichtum bestechen, sondern auch durch eindrucksvolle und aussagekräftige Gesichter. Im krassen Gegensatz hierzu steht Vasilis Lolos, dessen Ausführungen man noch nicht einmal mehr als „holzschnittartig“ bezeichnen kann und dessen Niveau - im Gegensatz zu der hervorragenden Geschichte von Brian Wood - überhaupt nicht in diesen Band gehört. Versöhnlicher hingegen stimmt das Artwork von Dean Ormston und Danijel Zezelj, die beide mit einem stimmigen und lebendigen Stil überzeugen können und es schaffen, sowohl Dynamik als auch Atmosphäre zu entwickeln.

 

Qualität, Ausstattung & Übersetzung

In Sachen Qualität gibt es bei „Northlanders“ nichts zu bemängeln, auch wenn es sich um einen Softcoverband handelt. Dieser ist solide geklebt und macht einen überaus haltbaren Eindruck, wie man ihn bei Panini gewohnt ist. Dieser Band enthält alle „Northlanders“-Kurzgeschichten der Hefte 9 und 10 sowie 17 – 20. In Sachen Ausstattung gibt es noch die zum Teil martialischen, aber wunderbar gestalteten Originalcover von Massimo Carnevale zu entdecken. Die Übersetzung erfolgte durch Gerlinde Althoff und ist – wie bereits bei den anderen Bänden der Reihe – absolut gelungen und gut zu lesen. Darüber hinaus gibt es im Faltcover einen knappen Text mit Informationen zum Autor und den einzelnen Zeichnern.

 

Fazit:

Die in diesem Sammelband vereinten Geschichten waren mehr oder weniger schmückendes Beiwerk der Einzelhefte, insofern sollte man seine Ansprüche an den Inhalt und die Ausgestaltung der einzelnen kurzen Geschichten nicht allzu hoch schrauben. Brian Wood ist es allerdings auf jeden Fall gelungen, kleinere Ideen in funktionierende und zum Teil beeindruckende Geschichten zu betten, auch wenn die Qualität der Zeichner höchst unterschiedlich ist und dadurch dieser dritte Band der Reihe im Vergleich zu den beiden ersten Sammelbänden vielleicht etwas abfällt.

 

Was man diesem Band aber auf jeden Fall zugestehen muss, ist, neben den klassischen Geschichten der Nordmänner um Blut, Ehre und Kampf, den Handlungen auch ein Stück weit ein phantastischeres Antlitz zu geben, was in der Geschichte „Die Schildjungfern“ noch am deutlichsten zum Ausdruck kommt.

 

Insgesamt also ein recht angenehm zu lesender, weiterer Band der Reihe, den Fans und Sammler sicherlich ohnehin kaufen werden, der aber bei Außenstehenden einen vollkommen verkehrten Eindruck der Reihe aufkommen lassen könnte, da Brian Wood bei der Auswahl der Zeichner seiner längeren Geschichten eigentlich eine recht sichere Hand besitzt und man vielleicht bei den Zeichnungen von Vasilis Lolos den Kopf schüttelt.