Sharner Kobold Sharner Kobold

 

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Herokon Online - Soundtrack
Bewertung:
(3.0)
Von: Moritz Mehlem
Alias: Glgnfz
Am: 07.03.2013
Autor:
Typ:Soundtrack
System:DSA (Online-Spiel)
VerlagErdenstern
ISBN/ASIN:0-609224-512186
Inhalt:CD, Papp-Klappcover
Preis:15,99 EUR
Sprache:Deutsch

Inhalt

(Vorsicht Spoiler!!!)

Schick. Eine klappbare Papphülle. Ein fast schon klassisches DSA-Cover. Zumindest einen Innenillu (der Zwerg) sieht mir sehr nach Melanie Meier aus. Auch das kleine Booklet ist gut und übersichtlich aufgemacht – wie immer erleichtern Erdenstern ihrem Rezensenten die Arbeit, indem sie jedem Stück 2 beschreibende Adjektive mit auf den Weg geben. Da weiß man grob schon, auf was man sich einstellen kann. Im Booklet werden die Stücke dann auch direkt thematisch untergliedert – das vereinfacht die Anwendung am Spieltisch. Da fallen 4 Stücke unter die Rubrik „Zu Hause“, 6 gehören zum Komplex „Reise“, 6 beschreiben Orte und 4 sind für diverse Kampfsituationen passend.

Auch interessant finde ich, dass der Hersteller sich direkt für den Sprung über den großen Teich wappnet und alle Informationen (wie auch die Liedtitel) auf Deutsch und Englisch im Booklet stehen. Da scheint wohl jemandem der deutschsprachige Markt wohl nicht groß genug zu sein. Ich drücke die Daumen für einen internationalen Erfolg.

 

Ich fürchte aber sehr, dass man sich da mit dem äußerst betulichen ersten Stück die internationalen Anhänger etwas vergrätzt. Gerade wenn ich Herokon (und in Track 2 Aventurien) akustisch darstellen will, sollte ich doch direkt mal ein paar mehr Facetten zeigen als einen sanft dahinplätschernden Bach inmitten eines namenlosen Wäldchens in Andergast, den ich bei diesen Liedern permanent vor Augen habe. Schnarch! Da hätte noch eine Messerspitze Al’Anfa, ein Hauch Bornland und eine Prise Thorwal reingehört.

Schon beim fünften Stück warte ich verzweifelt, dass mal in einem Lied „etwas passiert“ – als Soundtrack-CD mag das ja in Ordnung sein, aber wenn ich die CD auch als „Ton“-Träger verkaufen will, den man von Anfang bis Ende durchhören kann, so hätte ich doch schon direkt zu Beginn etwas mehr „Hallo!“ platziert.

Himmelherrgott noch mal – es dauert bis zu Stück 7, dass etwas Pep in das getragene Glöckchengebimmel kommt. Dieses ist dann aber gleich auch schon mal wirklich gut und abwechslungsreich. Klasse, das werde ich mir mal merken, um unterirdische Gefahrensituationen in meiner Rollenspielrunde zu untermalen. Okay, ich habe mal nachgesehen, der Track heißt „Dichtes Unterholz“ – auch gut.

Bei Lied 8 kann ich mich nicht entscheiden, ob es mich mehr an eine Kneipenschlägerei, eine riesige Armee, die über einer Hügelkette auftaucht, oder den Beginn einer Schlacht handeln soll, aber es macht wirklich Spaß! Hier liege ich thematisch schon etwas besser – es heißt „Hauen und Stechen“.

Mein persönliches Highlight, wenn auch kein Anspieltipp, da es erst bei mehrmaligem Hören wirklich gut wird, ist Nummer 11, „Für den König und das Volk“. Als Anspieltipp bietet sich da eher „Haltet die Anhöhe!“ an, das rummst schon von Anfang an ganz ordentlich und man kann sich gut ein feindliches Heer vorstellen, das gegen die strategisch wichtige Stelle anrennt.

 

Der Vollständigkeit halber liste ich hier die Stücke auf, dann könnt ihr euch einen ungefähren Überblick verschaffen, was euch erwartet – die Faustregel lautet hier: „Kampf hui – Stimmung pfui“:

 

1. Das Buch Herokon

2. Willkommen in Aventurien!

3. Das ist unsere Heimat

4. Spielt die alten Lieder!

5. Goldenes Herbstlaub

6. Über die weite Ebene

7. Dichtes Unterholz

8. Hauen und Stechen

9. Durch den Morast

10. Unser Tempel

11. Für den König und das Volk

12. Haltet die Anhöhe!

13. In dunklen Ecken

14. Spelunke

15. Meterhoch Schnee

16. Die Magierakademie

17. Krieger bis zum Horizont

18. Am Portal des großen Tempels

19. Der Wind steht günstig

20. Zeit der Abenteuer

 

Was soll ich sagen? Wie das Thema (DSA-Fäntelalter) vermuten ließ, haben wir es hier mit keltischen Versatzstücken, klassischen Mittelalter-Elementen, etwas Filmmusik, ordentlich vielen Streichern und teils leisem, teils bombastischen (Synthie)-Orchester zu tun. In den leiseren Passagen finde ich das oft nervig (okay, das ist – wie so oft in der Musik – Geschmackssache), während es im Lauten, Bombastischen schon eher Spaß macht. Auch mein nächstes Problem ist eine reine Geschmacksfrage, denn ich habe immer lieber „echte“ Instrumente, als solche aus der Retorte – und zwar gerade dann, wenn es ordentlich bombastisch sein soll. Aber es ist auch klar, dass sich Erdenstern kein komplettes Orchester in ihr Studio setzen, um ein paar nette Sounds für ein Computerspiel auf CD zu bannen. (Schade eigentlich.)

 

Fazit:

Ich bin eigentlich ein großer Fan der Erdenstern-Produktionen, aber hier ist mir der Fahrstuhlmusik-Anteil doch deutlich zu hoch. Ach was sage ich, manche Tracks nerven in ihrer Belanglosigkeit so sehr, dass man mit aller Macht versuchen würde, aus dem Fahrstuhl zu entkommen – selbst wenn dazu ein beherzter Sprung in die Tiefe vonnöten wäre.

In starken Momenten hat es etwas von Loreena McKennit ohne Stimme oder dem „Herr der Ringe“-Soundtrack, in schwachen präsentiert es ein Aventurien, in dem Jägerzäune die Grundstücke umsäumen und Gartenzwerge die Rosenbeete bewachen. Meiner Streicherphobie hat die CD auch nicht gerade gut getan.

Einzelne Tracks lassen sich schon aufgrund ihrer Konzeption ganz sicher in Endlosschleife oder als kurze Akzente zur (leisen) Untermalung bei Rollenspielrunden einsetze. Auch für Fans des Online-Browser-Spiels müsste die CD ein Gewinn sein, da er verschiedene Themen wiedererkennt und somit einen Bezug zu den Liedern hat, aber ich habe es nicht geschafft, die CD am Stück zu hören. (Ja, ich habe mich sogar extra für die kurze Besprechung angemeldet und zwei Stunden gespielt, bin aber mit dem Spiel auch nicht so recht warm geworden.) Der Gedudel-Faktor zwang mich dann doch oft nach 3-4 Liedern in die Knie und ich musste mir kurz die Gehörgänge freipusten, bevor es weitergehen konnte.