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Witchblade Rebirth 1 - Aus dem Gleichgewicht
Bewertung:
(4.0)
Von: Gordon Gurray
Alias: Talamar
Am: 25.07.2013
Autor:Tim Seeley, Diego Bernard
Typ:Comic / Graphic Novel
Setting:TopCow Universum
VerlagPanini Comics
ISBN/ASIN:
Inhalt:116 Seiten, Softcover, US-Format, US-Originale: Witchblade 151-155
Preis:14,95 EUR
Sprache:Deutsch

Inhalt:

Sara Pezzini hat den Dienst in New York quittiert, hat alles hinter sich gelassen um in Chicago einen Neuanfang als Privatdetektivin zu beginnen. Schon bald hat sie ein wenig Fuß gefasst, ist damit aber auch ins Visier der Chicagoer Polizei geraten, die ihre Machenschaften mit misstrauischen Augen beobachtet. Als ein Mann plötzlich stirbt, den Sara momentan beschattet, nimm sie die Ermittlungen auf und muss einige seltsame Entdeckungen machen. Außerdem trifft sie auf einen mysteriösen Bühnenmagier namens Cain Jorgensen, von dessen Charme sie sich zunächst blenden lässt. Bald überschlagen sich die Ereignisse, Sara wird angegriffen und landet im Gefängnis. Außerdem macht sie Bekanntschaft mit einem brutalen Hexenzirkel, der über Leichen geht...

 

Schreibstil, Artwork & Meinung:

Zuletzt hat sich einiges im Witchblade (respektive TopCow-) Universum getan. Veränderungen - durch das Artifacts-Event - sind einhergegangen, die das Universum vielleicht nachhaltig und dauerhaft beeinflussen oder verändert zurücklassen werden - sofern die Verantwortlichen bei TopCow das auch so durchgehen lassen.

Wie dem auch sei, auch bei Sara Pezzini alias der Witchblade hat sich einiges getan. Fans wissen, dass sie zuletzt den Polizeidienst quittiert hat. "Rebirth" beginnt damit, das Sara sich nicht nur vom Polizeidienst, sondern auch von ihrem alten Leben verabschiedet und auch New York den Rücken zugekehrt hat, um in Chicago als Privatschnüfflerin Fuß zu fassen. Das das nicht ohne neue Schwierigkeiten passieren dürfte, sollte jedem klar sein und auch die Story ist so gestaltet, dass sich Sara schnell in den ersten Schwierigkeiten sieht. Die haben aber nicht unbedingt nur mit der Witchblade zu tun, sondern auch mit einer hiesigen, üppigen Polizisten, die sich in ihrer Rolle als Platzhirschin von der neuen Schnüfflerin bedroht sieht.

 

"Rebirth" ist der längst überfällige Reboot des Witchblade-Settings. Viel zu lange schon trat die Serie mehr oder weniger auf der Stelle und konnte nichts mehr wirklich neues bieten. Ein paar aufgebackene Charaktere tauchten zwar auf und das Ganze war auch durchaus viel versprechend, aber wie so oft, haben sich die Macher nicht richtig ans Eingemachte gewagt. Mit dem Sprung weg von New York und weg vom Polizei-Job, ab zu einem vollkommen neuen Hintergrund mit vollkommen neuen Charakteren, bringt "Witchblade Rebirth" nun nicht nur neuen Wind in das eigentlich tolle Setting, nein, es wird auch gleichsam wieder interessant für Neu- und Seiteneinsteiger, also jene, die die Serie vielleicht früher toll fanden (als die geistigen Väter Marc Silvestri, Michael Turner und Co noch am Start waren) und sie dann aus den Augen verloren haben.

"Rebirth" geht dabei direkt ans Eingemachte. Das ganze Drumherum um Saras Weggang wird - wenn überhaupt - nur am Rande erwähnt. Ein paar Monate sind vergangen und der Leser befindet sich mittendrin in den neuen Rahmendaten. Das ist wirklich gut, denn so kann die Story auch schnell ans Eingemachte gehen und hält sich nicht mit unnötigem Ballast auf. Auch die neuen Charaktere lassen nicht lange auf sich warten. Die oben erwähnte Polizistin ist zumindest zunächst erst einmal die Nervensäge, was sich daraus entwickelt, weiß man noch nicht. Ein neuer Sidekick/Lover scheint auch schon da zu sein, wobei auch hier noch nicht klar wird, was Cain wirklich auf dem Schauplatz macht und was seine Motivationen sind und auch ein paar fiese Typen betreten die Bühne, gegen die Sara nur mit der Hilfe der Witchblade ankommen kann - natürlich sonst wäre es ja auch kein Witchblade-Comic und demnach langweilig.

Die Story von "Rebirth 1" ist dabei gut gelungen und vor allem zeigt sie sich rasant und spannend, vielseitig und birgt auch einen gewissen Grad an Tiefe. Allerdings nur einen gewissen Grad, der noch sehr viel Platz und Potenzial bietet, um in den nächsten Storybögen weiter ausgefeilt zu werden. Auch die Charaktere zeigen sich noch nicht allzu plastisch, aber das kann ja noch werden. Als Debutband geht das Gebotene aber auf jeden Fall in Ordnung und der gesamte Comic ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, vielleicht mit Ausnahme des Endkampfes, der irgendwie einen faden Nachgeschmack hinterlässt und nicht so ganz durchdacht wirkt. Ansonsten macht Tim Seeley (Drizzt, Hack/Slash) seinen Autorenjob aber wirklich sehr gut und schöpft die Möglichkeiten recht gut aus.

 

Optisch geht "Rebirth" mit den Artworks von Diego Bernard auf ebenfalls in die richtige Richtung. Die Artworks von Stepjan Sejic, der Witchblade zuletzt optisch betreut hat und einen fast schon fotorealistischen Stil zeigte (den man nun in Artifacts Rebirth bewundern kann - Review folgt), waren okay, aber hatten nur wenig mit den tollen Zeichnungen eines Marc Silvestri oder Michael Turner - der bereits 2008 im Alter von 37 Jahren verstarb - zu tun hatte. Diego Bernards Illustrationen bewegen sich wieder mehr in diese Richtung und sehen dabei auch ziemlich gut aus, wissen auf jeden Fall sehr zu gefallen (zumindest mir), weil sie nicht nur aufwändig und detailliert gezeichnet sind, sondern auch enorm dynamisch und rasant präsentiert werden.

 

Fazit:

"Rebirth 1" ist ein sehr gelungener Reboot des Witchblade-Universums, der aber dennoch auch ein paar Schwächen vor allem in Sachen Charakterplastizität und Dramaturgie aufweist. Dennoch macht der Comic sehr viel Spaß und belebt das etwas fade gewordene Setting auf eine sehr interessante Art und Weise, die einiges an Potenzial hat. Der Reboot macht auch durchaus Sinn, denn nun haben auch Neueinsteiger und alte Fans die Möglichkeit wieder quer einzusteigen. Ein paar Elemente können noch besser werden aber auch in Sachen Optik bewegt sich Rebirth wieder in eine deutliche passendere Richtung. Gefällt mir sehr gut und ich bin gespannt, wie die Reihe nun weiter geht. Toll!