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Leandra - metamorphine
Bewertung:
(1.5)
Von: Oliver Werner
Alias: Archoangel
Am: 13.04.2008
Autor:Leandra, Oli Schmidt, Sven Friedrich, Daniel Schulz, Chai Deveraux
Typ:Gothic Musik CD
VerlagDrakkar Entertainment
ISBN/ASIN:ASIN: B0012L2KDG
Inhalt:11 Lieder, 55.20 min.
Sprache:Englisch

metamorphine

Vorwort

 

Meine eigenen Gothic Zeiten liegen nun doch schon 10 Jahre zurück, weshalb es mir möglicherweise schwer fällt, ein möglichst objektives Bild zur Musik zu liefern. Künstlerisch ist sie auf jeden Fall wertvoll; man erkennt, dass die Interpreten ihre Instrumente beherrschen. Nur der Gesang ist noch nicht ganz ausgereift und Gefallen kann ich leider auch nicht daran finden.

 

1. Noisy Awareness

Das mit Abstand beste Lied der CD. Deutlich als Gothic zu erkennen. Gesanglich wertvoll. Mystisch und spannend „erzählt“, befriedigt dieses Lied meine Ansprüche.

 

2. Lie to me

Etwas schwächer, als Nr. 1 glänzt dieses Lied dennoch durch eine Abwechslung ruhiger, sinnlicher Momente, die durch kritische Momente von einigen Break-Beats und orchestralen Einlagen verstärkt werden. Der Gesang ist eingängig, jedoch schon ein wenig zu präsent.

 

3. The Art of Dreaming feat. Sven Friedrich

Hier wird schon abgebaut. Einzig die erotische Gesangsstimme des Sängers gibt dem Lied noch ein paar Punkte. Musikalisch erinnert es an Computerspiele meines alten C64ers. Gesang dominiert, Musik verschwimmt im Hintergrund. Düster bis depressiv.

 

4. Coloured

Die Musik bleibt auf dem vorigen Niveau. Der Gesang (und das Gesamtkonzept) unterscheiden sich nur durch einige Echo- und Verzerrer-Effekte vom Vorgänger. Der Gesang ist erneut überdominant. Einige Elemente erinnern an Frau O`Conner.

 

5. Naked eyes

Musikalisch und vom Sprechgesang her das fragwürdigste Lied bisher. Dunkel-Düster mit Schallplatten-Scratching und Gong-Imitationen im Hintergrund. Erinnert ein wenig an Industrial. Gesanglich eher minderprivilegiert.

 

6. Angeldeamon

Langweilig und nichts sagend. Ein Klavier im Hintergrund versucht Goethes Erben zu beerben. Gesang und Melodie lassen an einen 30er Jahre Musikclub erinnern, in welchem sich eine überschminkte und gealterte Diva auf dem Klavier räkelt. Etwas einschläfernd, aber der Pianist ist ganz gut.

 

7. Tyberi Foller

Der Anfang erinnert stark an die Harry Potter Filmmusik. Dazu einige düstere Töne aus den Synths und eine italienische Gesangsstimme; viel versprechend. Zu dieser Musik kann ich mir erstmals vorstellen, zu tanzen. Klassischer Gothic, wie ich ihn heute noch gerne höre, aber leider mit 3.50 min das kürzeste Lied auf der Scheibe.

 

8. Son of Venus (Danny`s Song)

Ruhige Pianoklänge und eine überpräsente Gesangsstimme machen dieses Lied erneut zur 30er Jahre Unterhaltung. Wohlgemerkt ist dies ein Lied, dass man zu spielen pflegt, kurz bevor der Laden schließt. Die wilderen Einlagen sind künstlerisch sicher wertvoll...

 

9. Lullaby

Dieses Lied versucht offensichtlich, erotisch zu sein. Leandra sollte mMn jedoch die tieferen Töne der Leiter lieber vergessen. Das Lied fängt schwach an, lässt dafür aber stark nach. Auch die Gitarre und der Drumcomputer am Ende können daran nichts mehr ändern. Schade.

 

10. Pi

Zurück bei Goethes Erben erfreut kurz ein düsteres Piano, bis der monotone Gesang erneut einsetzt. Warum klingt hier eigentlich ein Gesang, wie der andere? Das Piano rettet, was zu retten ist. Ohne Gesang sicher ein schönes Lied.

 

11. Inverted Mirrors of Decay

Erneuter Piano-Einstieg; erneut von gleich bleibendem Gesang gefolgt, der mit viel Phantasie wieder in die 30er passt. Leider sind die Tonfolgen des Pianos auch immer die Selben.

 

Fazit:

Für meinen Geschmack ist die Musik etwas zu skurril. Es fehlt an Melodien, welche durchgehend als solche wahrnehmbar sind. Offensichtlich entlehnen sich einige Töne dem Industrial; der Hauptschwerpunkt dürfte jedoch als Gothic-Elektro durchgehen. Das nicht akzentfreie Englisch der Sängerin empfinde ich persönlich störend und irritierend. Auch ist der Gesang zu überpräsent (was mMn auch die Nutzbarkeit als Rollenspielhintergrundsmusik arg einschränkt). Generell stehen die Stücke nicht in einem musikalischen Gesamtzusammenhang und wirken recht wahllos zusammengestellt. Wenn überhaupt, lässt sich die Musik mMn zur Untermalung einer futuristischen Gothic-Kneipe in Cyberpunk/Shadowrun verwenden. Ich habe sie genau zweimal gehört, als ich sie erhielt und während ich diese Rezension schrieb. Musikalisch konnte mich Leandra nicht überzeugen: die Kapelle macht doch eher den Eindruck, als hätte sie ihren Stil noch nicht gefunden und würde sich daher auf die Vermarktung ihrer Sängerin (Leandra) verlegen. Wie gesagt, ich bin bzgl. der Szene nicht mehr up to date, aber ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, wie man zu dieser Musik tanzen soll. Rollenspielerisch auf jeden Fall völlig unbrauchbar, es sei denn, man spielt 30er Jahre Horror und befindet sich häufiger in billigen Clubs. Naja, drei Lieder (von 11) waren ja nicht schlecht...