Sharner Kobold Sharner Kobold

 

u
Monster Manual III
Bewertung:
(4.2)
Von: Dominik Stieler
Am: 03.10.2004
Autor:Rich Burlew, Eric Cagle, Jesse Decker, Andrew J. Finch, Gwendolyn Kestrel, Rich
Typ:
System:D&D 3.5
Setting:FR (VR), Eberron, Universell
VerlagWizards of the Coast
ISBN/ASIN:0-7869-3430-1
Inhalt:226 Seiten, Hardcover
Sprache:Englisch

Vorwort:

Das mit Spannung erwartete Monster Manual III ist nun endlich draußen. Die über 100 neuen Monster sollten, so die Küstenmagier, mit detaillierter ausgearbeiteten Hintergründen aufwarten. Auch einige andere Neuerungen und Verbesserungen erwarten die Community.

Da Monsterbuchrezensionen stark vom Geschmack des Redakteurs abhängen, glaube ich nicht, eine für alle "verbindliche" Wertung abgeben zu können. Ich werde jedoch versuchen, mich so weit wie möglich an die Fakten zu halten, damit ein objektiver Artikel herauskommt. Um das zu gewährleisten, gebe ich drei mal 1-10 Punkte für Aufmachung/Design (20%Gewichtung), regeltechnische Ausarbeitung (40%) und die Hintergründe zu den Monstern (40%).

 

Zu guter Letzt möchte ich hier schon mal vorwarnend sagen, dass ich nicht auf Dinge eingehen werde, die sowieso in jedem Monsterbuch vorkommen, sondern nur speziell auf die Wesen und Neuerungen dieses Buches.

 

Erster Eindruck:

Das Cover des fest eingebundenen Monster Manual III erinnert mit einem Schädel eines unbekannten Monsters und den dunklen Rottönen stark an die beiden Vorgängerbände, was mir positiv aufgefallen ist. Natürlich ist die Zeichnung auf dem Titelbild nicht jedermanns Geschmack, aber schließlich zählen die inneren Werte. Die haben es dann auch – wie in vielen anderen Wizards-of-the-Coast-Büchern – in sich: Schöne Zeichnungen (gilt nicht für den "Rage Drake" – bitte schnell umblättern) und ein insgesamt ansprechendes Design sprechen für sich.

 

Neuerungen:

Einige Neuerungen erwarten den Leser des Monster Manual 3. Die Auffälligste davon ist wohl, dass jedem Monster jetzt eine eigene Seite gewidmet wurde, um größere Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Hier frage ich mich zwar, warum ihnen das nicht schon früher eingefallen ist (im deutschen Monsterhandbuch 3.0 gab es das ja bereits), doch angenehmer zu lesen ist es auf jeden Fall.

Außerdem gibt es jetzt für sehr viele Monster Hintergrundinformationen zu Eberron oder den Vergessenen Reichen bezüglich der Herkunft oder wo man sie auf dieser Kampagnenwelt antreffen kann. Teilweise kommt einem das neue Monster Manual deshalb wie ein Eberron-Sourcebook vor, denn bei vielen Kreaturen ist nur für diese Welt eine Beschreibung angegeben. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass auch Eberron - Spielerrassen wie der Shifter oder der Changeling ihren Weg ins Buch geschafft haben.

Weiterhin wird es bei einigen wenigen Monstern jetzt extra erwähnt, wenn diese üblicherweise das Talent "Heftiger Angriff" verwenden. Die Höhe des Abzuges ist ebenfalls angegeben und die Spielwerte sind bereits daran angepasst.

Die Talente "Empower" bzw. "Quicken Spell-Like-Ability" werden aufgrund der vielen High-Level-Monster erstmals wirklich ausgiebig genutzt, und für starke Nahkampfmonster gibt es sogar 2 neue Talente: "Powerful Charge" (auch ECS), das je nach Größenkategorie den Schaden beim Sturmangriff erhöht, und "Awesome Blow", durch dessen Benutzung man einen Feind 3 Meter wegschleudern und zu Boden werfen kann.

Untote verfügen sehr häufig über die neue Fähigkeit "Unholy Toughness", die ihr Trefferpunktekonto doch beträchtlich erhöht. Nun können sie in dieser Hinsicht locker auch mit anderen Monstern ihres HG konkurrieren.

Offenbar haben die Designer sich diesmal auch getraut, Sachen wie "Spell-Strengthened Hide" verstärkt einzubauen, um den Monstern vernünftige Rettungswürfe oder eine hohe Rüstungsklasse zu verschaffen. Möglicherweise hängt das aber auch mit dem Bezug vieler dieser Monster zu Eberron zusammen.

Auch im Index gibt es eine Neuerung: Monster mit LA sind dort in einer separaten Tabelle mitsamt Trefferwürfeln und ECL angegeben, was ich für sehr löblich halte.

 

Der Inhalt:

Das Buch enthält insgesamt etwa 160 Monster und 3 Schablonen ("Living Spell", "Spellwarped" und "Voidmind"); davon sind jedoch leider knapp 40 nur Beispielmonster oder verbesserte Versionen dieser Wesen. Auf den ersten Blick schienen mir die vorgestellten Kreaturen jeweils recht stark für ihren HG, die Wizards of the Coast wollten damit wohl der Verstärkung der Klassen in der 3.5 Rechnung tragen. Natürlich gibt es auch wieder einige Monster, deren Herausforderungsgrade man heftig diskutieren kann (z.B. Omnimental) und sogar das Eine oder Andere, bei dem der HG vollkommen daneben ist (Grimweird).

Im Monster Manual III wird aufgrund vieler Monster mit besonderen Fähigkeiten oft eine Taktikbeschreibung angegeben, was ich für sehr sinnvoll halte, um ein Kampf mit diesen Wesen spannend zu gestalten. Stark aufgefallen ist mir die Fülle von Monstern, die laut der Beschreibung "ursprünglich für den Krieg erschaffen wurden". Dies sind meist Wesen aus Eberron und tragen so klangvolle Namen wie "Cadaver Collector", "Battlebriar" oder "Siege Crab".

Fans der "alteingessenen" Wesen dürfen sich freuen: Sage und schreibe 7 Golems, 5 Trollarten, 4 Dinosaurier, 4 Yugoloth, 3 Riesen, 2 Dämonen (wirken sehr interessant!), 2 Echsenvolkarten, 2 Rakshasaarten, 1 Oger (der "Skullcrusher"), 1 Otyughvariante, 1 Gnoll und 1 Goblinart warten auf ihre Entdeckung. Das ist abwechslungsreicher als es klingt, denn viele davon sind schön designt, (auch wenn ich immer noch nicht verstehe, warum ausgerechnet Dinosaurier bei DnD auftauchen müssen). Weniger abwechslungsreich dagegen sind so "einfallsreiche" Monster wie der "Bearhound" oder der "Sea Tiger" oder die typischen "Haudrauf"-Monster (z.B.: "8 Slams +29"), die in jedem solchen Buch natürlich enthalten sein müssen.

Wie schon oben erwähnt, zieht sich eine starke Eberron-Präsenz durch das ganze Buch. Zum Glück sehe ich bei den meisten der hauptsächlich dieser Welt zugehörigen Monster keine Probleme, sie in einer anderen Kampagnenwelt zu verwenden, sieht man mal von den Spielervölkern ab.

Ingesamt hat man es im Monster Manual 3 mit einer Fülle an Monstern zu tun, die für Gruppen ab den mittleren Stufen viel neues Futter liefert. Schöne Zeichnungen verbunden mit stimmigen Fähigkeiten und Beschreibungen findet man oft genug, um eine gute Note zu rechtfertigen. Dennoch gibt es einige Absonderlichkeiten und (kleinere) Fehler: Zum Beispiel sind, wie bereits vielen aufgefallen sein sollte, die Zeichnungen vom "Plague Spewer" und der "Salt Mummy" bis auf die Farbe des Monsters fast identisch, der "Gloom Golem" erinnert eher an ein Hypnosegerät als einen Golem und die Illustration des "Cave Troll" sieht eher aus wie ein herumhüpfender Quälgeist als wie ein HG-8-Monster. Das alles ist natürlich nichts gegen den "Dread Blossom Swarm" (frei übersetzt: "Schreckensblütenschwarm"), eine Art kämpfendes Rosenbeet.

 

Fazit:

Das Monster Manual 3 besticht durch viele neue abwechslungsreich designte Monster, die Gruppen des entsprechenden HG vor schwere Prüfungen stellen werden. Wie im Monster Manual II werden eher die höheren Stufen mit Monstern versorgt, was hier allerdings nicht so überdreht und dafür deutlich "spielbarer" wirkt.

Grobe Schnitzer bei den HG konnte ich nur ein Mal feststellen (Grimweird: HG 11, eine Special Attack für die ein Klauenangriff nötig ist und +3 Angriffsbonus – meiner Meinung nach lachhaft!), doch das wird mit der Zeit schon noch kommen.

Ich wende mich jetzt erst einmal den am Anfang angekündigten 3 Einzelwertungen zu. Aufmachung / Design erhält von mir eine sehr gute Bewertung, denn bis auf wenige Ausnahmen gibt es in diesem Punkt wirklich nichts zu meckern: 9 von 10 Punkten.

Die Regeln bekommen auch eine gute Note, allerdings hätte ich mir noch die eine oder andere neue Taktikbeschreibung und Neuerung gewünscht. Wegen kleinerer Fehler (z.B. hat ein Monster ein Talent, das ST 25 als Voraussetzung hat, obwohl das Viech nur ST 24 hat) kommt noch ein weiterer kleiner Abzug hinzu. Trotzdem steht hier am Ende eine respektable 8,5 (17 wegen Gewichtung).

Nun kommen wir endlich zum "Fluff". Von dem hatten sich viele Leute im MM 3 mehr erwünscht als in den Monsterbüchern zuvor. Mir kam es so vor, als seien die Beschreibungen schon etwas ausführlicher ausgefallen, außerdem sind da ja noch die Informationen zu Eberron und den Vergessenen Reichen, die ich für sehr brauchbar halte und nicht mehr missen will. Zu Lebensweise und Fortpflanzung etc. gibt es jedoch immer noch keine Anmerkungen, nicht einmal am Rande, was ich immer noch für sehr schade halte. Wenigstens bei ein paar Monstern wäre das doch machbar gewesen. So muss ich mir immer noch das alte "Er ernährt sich von allem, was in sein Revier eindringt. Sein Revier ist 1W4x7,5km groß" – Standardzeug anhören. Aus diesem Grunde bleibt dem Monster Manual 3 bezüglich dieses Aspekts eine Wertung am ganz oberen Ende der Skala verwehrt. Der Anzeiger bleibt auf 8,0 (16 wegen Gewichtung) stehen.

Somit landen wir bei 42 Punkten, was nach unserem beliebten DnD-Gate-Wertungssystem eine 4,2 ergibt. Ein gutes Ergebnis für ein gutes Monsterbuch, das seinen Vorgänger vom Platz an der Sonne verdrängt hat.