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Blades of the Moonsea 1 - Swordmage
Bewertung:
(4.2)
Von: Björn Arnold
Alias: Wormys_Queue
Am: 30.05.2008
Autor:Richard Baker
Typ:Roman
System:D&D 4E
Setting:Forgotten Realms
VerlagWizards of the Coast
ISBN/ASIN:978-0-7869-4788-1
Inhalt:339 Seiten, Hardcover
Sprache:Englisch

Swordmage

Inhalt:

Geran Hulmaster, einst aus Hulburg aufgebrochen, um die weite Welt zu erleben, kehrt gemeinsam mit seinem Freund und Partner Hamil nach mehreren Jahren wieder in seine Heimatstadt zurück, als er erfährt, dass sein ehedem bester Jugendfreund ermordet wurde. Der von den Elfen Myth Drannors zum Schwertmagier ausgebildete - später dann aber verbannte - Adlige, hat sich inzwischen eine eigene Existenz als Handelsherr aufgebaut, ist aber dennoch sehr überrascht, wie stark sich Hulburg während seiner Abwesenheit verändert hat. Haus Hulmaster hat einiges an Einfluss eingebüßt, die Stadt wird inzwischen von den Handelshäusern aus Phlan und Mulmaster beherrscht. Nicht zum Vorteil der Alteingesessenen, die mit allen Mitteln aus ihren Geschäften vertrieben werden sollen, wie Geran bald feststellt.

Gerans Ermittlungen im Mordfall führen bald zu der erschreckenden Erkenntnis, dass der Lich Aesperus, vor Jahrhunderten schon einmal die Geißel dieser Region, wieder aktiv geworden ist. Gleichzeitig erhärten sich für ihn die Erkenntnisse, dass seine Familie von den Intrigen der Händler zunehmend in ihrer Existenz bedroht wird. Und als wäre das noch nicht genug, sieht sich Hulburg plötzlich einer Invasion der Orks aus Thar gegenüber: angestachelt von den Zauberern Vaasas fordern diese ihr einstiges Reich zurück. Und so droht die Stadt durch die Rachsucht und den zerstörerischen Ehrgeiz eines Einzelnen wieder zu den Ruinen zu zerfallen, aus denen sie in den letzten Jahren wieder aufgebaut worden war.

 

Bewertung:

Mit Swordmage steht Richard Baker vor einer überaus schweren Aufgabe, da er nicht nur einen guten, lesenswerten und unterhaltsamen Roman abliefern sollte, sondern gleichzeitig die Mechaniken des neuen Systems beleuchtet werden wollen, wie schon der Titel andeutet (der Swordmage ist eine der neuen Grundklassen der Vierten Edition). Und als wäre das nicht genug, werden auch die Fans der Vergessenen Reiche mit Argusaugen auf die Veränderungen achten, die die Spellplague mit sich gebracht hat (und nur auf Gründe zur Kritik lauern, da dieses welterschütternde Ereignis bisher auf herzlich wenig Gegenliebe gestoßen ist). Viel Ballast also für ein einzelnes Buch, doch man muss dem Autor zugestehen, dass er damit eigentlich ganz gut fertig wird.

 

Um mit den Mechaniken zu beginnen: Am augenfälligsten wird das Thema „4E“ natürlich in der Klasse des Protagonisten Geran: er ist ein Swordmage, also ein Hybrid zwischen Kämpfer und Magier. Das Konzept ist nun nicht ganz neu, und tatsächlich merkt man vor allem in kleinen Details, dass es einen Editionswechsel gegeben hat, z.B. wenn Geran seinem Freund Hamil anlässlich einer Rast den Unterschied zwischen at-Will- und per-day-Zaubern erläutert. Ansonsten hat man vor allem den Eindruck, dass die Begegnungen actionreicher gestaltet sind als man das aus der 3E gewohnt war (Salvatore mal außen vorgelassen, aber der ignoriert die Regeln auch mal ganz gerne, wenn es der Action gut tut). Da fliegt plötzlich ein Tieflinghexer in der Gegend rum, Geran nutzt seine Teleportationszauber ständig auf neue und recht innovative Weisen: es sind solche Details, die dem Leser am stärksten bewusst machen, dass hier auch regeltechnisch etwas Neues Einzug hält. Glücklicherweise integriert Baker diese Hinweise so geschickt, dass man sie auch leicht überlesen oder ignorieren kann, wenn man nicht gerade mit der Lupe danach sucht. Negative Auswirkungen halten sich daher stark in Grenzen.

 

Auch die Spellplague, die zum Handlungszeitpunkt ihren Höhepunkt schon lange überschritten hat, wirkt vor allem im Hintergrund. Und nur in den ersten Kapiteln, in denen Baker notgedrungen etwas stärker auf geographische und historische Veränderungen eingeht, ist sie wirklich bemerkbar. Man kann zwar vermuten, dass sie in den Nachfolgeromanen etwas stärker in den Vordergrund rücken wird, da die Hulmasters auf besondere Art und Weise von ihr gezeichnet wurden, in diesem Roman aber ist sie nicht von besonderer Wichtigkeit.

 

Ganz im Gegenteil stellt Rich Baker die Kontinuität des Settings in den Vordergrund. Es ist sehr clever, ausgerechnet Hulburg zum Schauplatz der Handlung zu machen, ein Städtchen, das letztmals in der zweiten Edition besondere Erwähnung fand, in der dritten Edition aber eigentlich keine Rolle spielte. Die Spellplague macht also wenigstens im Bereich der Mondsee mitnichten alles neu - es verschieben sich lediglich die Machtverhältnisse in einem Maße, wie es auch ohne Spellplague in einem Zeitraum von hundert Jahren durchaus denkbar gewesen wäre. Hulburg, die Hulmasters, Haus Sokol und Phlan, Mulmaster, selbst der Lich Aesperus sind alles aus früheren Editionen bekannte Namen, und so hat man als Fan der Region alsbald vergessen, dass man eigentlich alles schlecht finden wollte, was die Wizards mit der Spellplague so angefangen haben.

 

Und so hat mein einziger kleiner Kritikpunkt an dem Roman weniger mit den Änderungen am Setting oder der Edition zu tun, sondern damit, dass Richard Baker vielleicht zu viel an Krisen und Problemen in den Roman hinein packt. Die Intrigen innerhalb Hulburgs, die drohende Gefahr durch die Orks und zusätzlich noch der wieder aktiv gewordene Aesperus (dessen Hintergrund leicht verändert wurde, wobei nur Experten den Widerspruch im faerûnschen Wissensfundus bemerken dürften: vom ehemaligen Helden und Verteidigungskämpfer wird der Lich zum Tyrannen und Beherrscher der Region). Das sind zu viele Krisensituationen, als dass man das Romanende für besonders glaubwürdig halten möchte, auch wenn die verschiedenen Motive durchaus miteinander verknüpft sind. Zwar wirkt der Lich in diesem Roman nur im Hintergrund (es steht zu vermuten, dass er noch für einigen Ärger sorgen wird), gerade dadurch aber wirkt das Ende so, als habe Rich Baker unbedingt einen - wenn auch wirklich gut vorbereiteten - Deus Ex Machina gebraucht. Ein Widerspruch in sich, aber so fühlt es sich an und macht in der Kombination das Ende leider arg vorhersehbar. Baker „braucht“ eben dieses Ende jedoch, um einen einigermaßen guten Ausgang zu gewährleisten, da er schließlich noch zwei weitere Romane zu diesem Thema schreiben möchte. Weniger wäre an dieser Stelle wohl mehr gewesen, Leser, die ein stärkeres Auftreten des Lichs erwartet hätten, werden hier leider enttäuscht.

 

Nichtsdestotrotz ist der Roman fesselnd geschrieben, der Rezensent hat sich jedenfalls überraschend gut unterhalten gefühlt und freut sich tatsächlich schon auf den Folgeroman (trotz 4E, trotz Spellplague).

 

 

 

Fazit:

Man merkt dem Roman an, dass Richard Baker sehr daran gelegen ist, die Ängste und Vorurteile der Fans gegenüber der neuen Edition und der durch die Spellplague bewirkten Veränderungen an/in?? den Vergessenen Reichen zu lindern. Größtenteils gelingt ihm das auch sehr gut. Um es kurz zu machen: Die Reiche dieses Romans fühlen sich jedenfalls immer noch so an wie die Reiche der vorherigen Epoche. Auch die Gegner der Veränderungen sollten sich also durchaus auf das Wagnis dieses Romans einlassen, sofern sie bereit sind, ihre eigenen Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen.

 

Aber auch davon ab ist der Roman durchaus lesenswert, wenn auch ein wenig mit verschiedenen Handlungssträngen überfrachtet. Mag das Ende auch etwas vorhersehbar sein, so wird man bis dahin jedenfalls gut unterhalten. Die Handlung wirkt etwas erdiger und der Held nicht gar so überstark, wie man das von anderen Protagonisten der Reiche gewohnt ist - was ihn aber letzten Endes nur ein Stück glaubwürdiger macht.

 

Alles in allem durchaus eine Leseempfehlung.